Pressemitteilung
Hamburger Genesungsbegleiterlnnen und Peerberaterlnnen haben einen trialogischen Verein gegründet
Hamburger Genesungs-, Peer- und Angehorigenbegleiterlnnen haben am 4. Februar 2017 den gemeinnutzigen Verein Genesungsbegleitung und Peerberatung Hamburg e. V. gegrundet. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte am 23.08.2017.


Eines der Ziele ist die Vernetzung der Genesungs- und Angehörigenbegleitung untereinander. Weiterhin möchten wir fur die Hamburger Psychiatrielandschaft und fur mögliche Arbeitgeber als kompetenter Ansprechpartner bereitstehen. Der trialogische Gedanke ist uns wichtig.

Weitere Leitideen des Vereins sind:

  • Förderung und Unterstützung der Selbsthilfeangebote in Hamburg unter dem Blickwinkel von Salutogenese, Recovery und Empowerment
  • Erstellen eines Referentlnnenpool fur Einrichtungen und fur Fachtagungen aus der Betroffenen- und der Angehörigensicht
  • Förderung von Öffentlichkeitsarbeit und Fortbildungsangebote u. a. zu den Themen Selbstfürsorge, Achtsamkeit und Recovery~basierte Arbeit
  • Unterstützung fur eine mögliche Berufsanerkennung von Genesungsbegleiterlnnen und Angehörigenbegleiterlnnen


In den Vorstand gewählt wurden Michael Scholl (Ex-In HH9), Anke Sahling (Ex-In HH9) und Reiner Ott (Ex-In HH8). Zum Kassenwart wurde Hinrich Niebuhr (Ex-In HH1) gewählt. Als Ehrenmitglied wurde Dorothea Buck (100 Jahre) von den Grundungsmitgliedern gewählt. Sie hat die Ehrenmitgliedschaft dankend angenommen.


Der Vorstand ist erreichbar unter GBPH e. V., Nebendahlstr. 7, 22041 Hamburg
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Die Homepage www.gbph.de wird in Kurze freigeschaltet.
Ansprechpartner: Reiner Ott (vorstand(at)gbph.de), Hamburg den 25.08.2017

Hamburg den 15.12.2017
Pressemitteilung


Der Verein Genesungsbegleitung und Peerberatung Hamburg e.V. (GBPH e.V.) hat sich gegründet, um die Vernetzung der Hamburger Genesungsbegleiter aufzubauen. Weiterhin hat sich der Verein zur Aufgabe gemacht, der Stigmatisierung von Psychiatrieerfahrenen entgegenzuwirken.


Unser Verein hat mit Entsetzen zur Kenntnis genommen, dass an 3500 nicht einwilligungsfähigen Probanden, darunter 1000 Kindern, von 1953 bis 1978 dreißig verschiedene Psychopharmaka getestet wurden. Das geht aus dem seriös recherchierten Bericht "Vergessene Seelen" des NDR vom 10.11.2017 hervor, der zeigt, dass Experimente an "schwierigen Kindern " und "psychisch kranken " Erwachsenen durchgeführt wurden, ohne deren Zustimmung und zum Nutzen mehrerer namhafter Pharmakonzerne.


Die Opfer dürfen damit nicht allein gelassen werden. Es ist schlimm genug, dass bis in die heutige Zeit Zwangsmedikation verabreicht wird. Was in Schleswig geschehen ist, sind systematische Menschenversuche. Uns empört es umso mehr, dass diese auch an Kindem begangen wurden, an Hilfebedürftigen, Schutzbefohlenen, die auf Grund von "Unruhe" oder "unehelicher Geburt" in die Psychiatrie eingewiesen wurden.


Die Äußerung einer aktuell praktizierenden Arztin, die innerhalb der NDR-Reportage befragt wurde, diese Praktiken seien ,,unzulässige Forschung ", geht uns nicht Weit genug. Unseres Erachtens nach handelt es sich um schwerste traumatisierende Kindesmisshandlung, wenn man einem Kind unter Gewalt Psychopharmaka einflößt, die größtenteils noch nicht einmal zugelassen sind.


Es ist traurig, dass derartige Praktiken noch 30 Jahre nach Kriegsende stattfanden. Dies zeigt, dass die nationalsozialistische Idee vom ,,lebensunwerten Leben“ bei Ärzten noch Jahrzehnte nach Kriegsende verbreitet war.


Unser Verein hat den Eindruck, dass dies den befragten Arzten und der Sozialministerin Christin Ahlheit nicht hinreichend deutlich war. Sie äußern sich nicht klar genug und versuchen, diese menschenverachtenden Praktiken eher zu bagatellisieren. Das Sozialministerium hat nach der Aufdeckung durch den NDR einen Beirat ins Leben gerufen, der aus ehrenamtlichen Vertretern von Kirche, Politik und Wissenschaft besteht. Sogar drei Betroffene sollen dabei sein. Wir fragen uns, Warum dieser Beirat nur zweimal im Jahr tagt und warum er nur ehrenamtlich arbeitet.


Uns Wundert es nicht, dass mindestens ein Betroffener aus dem Beirat ausgetreten ist, weil er den Beirat eher als "Schmuckfassade" erlebt habe. Wir sind besonders empört, Wie die Landesregierung Schleswig-Holstein mit den Vorwürfen und den Opfem umgeht. Von der Pharmaindustrie ist bekannt, dass oben beschriebene Praktiken ausgeübt wurden. Uns erscheint es allerdings zynisch, sich wie die Fa. Bayer damit herauszureden, dass angeblich keine Unterlagen auffindbar seien. Die Firma Merck bestreitet sogar, rechtswidrig gehandelt zu haben, Das ist ein Affront gegen die Opfer, die unter Traumafolgeschäden und Spätdyskinesien leiden und imrner noch kein Gehör finden.


Wir treten dafür ein, den Opfern bei ihrem Kampf um Entschädigung beizustehen. Uns Genesungbegleitern und Angehörigen geht es darum, die Opfer zu unterstützen. Sie dürfen nicht alleine gelassen werden.


Fur den Vorstand GBPH e.V. : Anke Sahling, Michael Scholl, Reiner Ott